Türchen 9

Interessante Konstellationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Daniel Schrecker implementiert, dann wird er freigestellt.
  • Ein richtiger Fan: häufig auf Fussballplätzen anzutreffen.
  • Undurchsichtig oder nur vorausschauend? Remo Meier.

Bereits ab Sommer 2021 – und damit ein Jahr vor der Löschung aus besagtem Handelsregister (siehe Türchen von gestern) – ist Daniel Schrecker als Innovations- und Team-Manager der U21 beim FCL tätig. Auf kolportiertes Drängen von Bernhard Alpstäg hin wird er schliesslich per Juni 2022 fest beim FCL angestellt. Ihm wird zusätzlich die Verantwortung für den Aufbau und die Implementierung der SAP-Software «Sports One» in die Arbeitsprozesse des FC Luzern anvertraut.

Diese cloudbasierte Software wird gemäss Hersteller dafür verwendet, sämtliche Scoutingdaten des Vereins kompakt, zentral und übersichtlich verwalten zu können. Aus Sicht von Corporate Governance ist dies natürlich ein absolutes No-Go, liegt hier doch ein klarer Fall eines Interessenskonflikts vor. Auch wenn die Löschung von D. Schrecker als VR-Mitglied der Berateragentur per Juni 2022 im Handelsregister erfolgt, haftet dieser Causa ein schaler Beigeschmack an. Anfang Oktober wird Daniel Schrecker im Zuge des offen ausgetragenen Streits um den FCL von der operativen Vereinsführung bis auf weiteres freigestellt. Was genau vorgefallen war, bleibt ein gut behütetes Geheimnis.

Schreck lass nach!

Ob Daniel Schrecker auch bei der BA Sport AG (Beratungsfirma von Bernhard Alpstäg) involviert ist, lässt sich mit öffentlich zugänglichen Dokumenten und Datenbanken nicht klären. Auch ob er weiterhin für die ESG Eleven Sports Group tätig ist, bleibt unklar. Auffällig ist hingegen, dass Herr Schrecker häufig an Spielen der FCL-Juniorenmannschaften anzutreffen ist, wo er sich gegenüber Familienmitgliedern der Spieler auch schon mal als Scout oder Berater für junge Spieler vorstellt.

Doch wieso ist eine solche Konstellation kritisch zu betrachten oder gar schädlich für den Verein? Spätestens der Fall Jashari hat aufgezeigt, dass auch im verhältnismässig beschaulichen Schweizer Fussballkosmos mit sehr harten Bandagen gekämpft wird. Spieler werden wie Aktien gehandelt und von Beratern umworben, um später lukrative Geschäfte mit ihnen abwickeln zu können.

Es wollen ja alle nur das Beste

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Transfererlöse und daraus resultierende Provisionen, sondern immer öfter auch um Bildrechte, einträgliche Werbeverträge oder sonstige Businessmodelle, die selbst Dagobert Duck vor Scham und Neid erröten liessen. Auch wenn durch die FIFA die so genannte «Third Party Ownership» (Transferrechte an Spielern durch Dritte) verboten wurden (oder gerade deshalb), werden immer wieder neue Schlupflöcher entdeckt und entsprechend ausgenutzt. Das Ziel dabei ist offensichtlich: Man will sich einen Teil vom saftigen Transferkuchen sichern und das eigene Konto nicht verkümmern lassen. So kann es durchaus vorkommen, dass bei der Vereinsführung wirtschaftliche Partikulär-Interessen am Ende schwerer wiegen als sportliche Kriterien. Was einen Verein auf kürzere oder längere Sicht in den Ruin treiben kann. Aber das ist unsere Sicht der Dinge: Selbstverständlich wollen alle Spieler/innen-Berater/innen nur das Beste für ihre Klienten (sic!) tun.

Mit Daniel Schreckers Beteiligung an der ESG Eleven Sports Group von Remo Meier wird das eben erwähnte Risiko eines Zielkonflikts natürlich nicht kleiner. Auch wenn Remo Meier aktuell nicht mit dem FCL direkt verbandelt ist, möchten wir ihn kurz vorstellen.

Remo Meier: gut verstrickt – äh vernetzt

Über Remo Meier liest man ausser Dutzenden Handelsregistereinträgen nur wenig. Als umtriebiger Geschäftsmann betätigt sich der Buchhalter und Berater auch als Investor und (Mit-)Gründer verschiedener Firmen, oftmals im E-Commerce-Bereich. Zudem bietet er mit der Mellon Group Dienstleistungen wie Domizil-Haltung an, sprich u. a. die Verwaltung von Briefkastenfirmen. Als Standort der eingetragenen Firmensitze fungiert normalerweise Hergiswil, wo auch seine Treuhandfirma ansässig ist, oder das Gewerbegebiet im Littauerboden.

Im Fussballbusiness hat er vor rund zehn Jahren Fuss gefasst. Die bereits erwähnte ESG Eleven Sports Group wurde von ihm gegründet, was ihn auch dazu brachte, die Beraterlizenz zu erwerben. Weiter wird ihm eine gewisse Nähe zu PAOK Saloniki nachgesagt, was zumindest in Form eines Beratermandats für den ehemaligen griechischen Spieler Stylianos Malezas belegt ist. Die Ironie an der ganzen Sache ist, dass PAOK ein noch viel grösserer Chaosverein als der FC Luzern ist. Müsterchen gefällig? PAOK-Präsident Ivan Savvidis – ein russisch-griechischer Oligarch – rannte im März 2018 im Spiel gegen AEK Athen nach einem missliebigen Schiedsrichterentscheid mit einer Pistole aufs Feld und wollte den Herrn in Schwarz zur Rede stellen.

Anscheinend soll er den Schiedsrichter einen „toten Mann“ genannt haben. Verständlicherweise brach der Schiedsrichter diese Partie in der Folge ab, erkannte im Rapport das annullierte Tor aber wieder an. Die Liga ihrerseits doppelte am nächsten Tag nach und verfügte einstweilig einen Unterbruch des Ligabetriebs. Schlussendlich konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden und PAOK konnte sich noch den Pokalsieg, sowie die Vizemeisterschaft erspielen.

 


So, genug für heute: Schon morgen geht’s weiter mit einem Annäherungsversuch ans Beraterbusiness mit jugendlichen Fussballspielern.


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